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Geschichte



Gründung bzw. Entstehung

Im Aniversarienbuch der kath. Pfarrgemeinde zu Rothweil ist unter Nr. 143 folgender Eintrag vermerkt:

Im Jahr 1821, den 21. November, unter Hochwürden Pfarrer Lenz wurde die Figural-Musik (türkische) errichtet.

Die Familie Landerer entschloss sich, zur Bezahlung der Instrumente eine Matte (Wiese) zu verkaufen. Unter anderern Bedingungen war auch diese, dass jährlich für die Familie Landerer ein Amt gelesen werden soll, was bisher geschehen und immer geschehen soll. Jeweiliger Pfarrer wird sich ungezweifelt dies gefallen lassen, weil ja der Zweck davon löblich und gut ist, und ihm seine Gebühr bezahlt wird.

Im alten Gemeindefamilienbuch Band 1, ist der 1806 geborene Johann Nepomuk Grab, später Fahnenbergscher Verwalter, hier als Gründer der Rothweiler Musik bezeichnet. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass dieser Nepomuk (Johann Nepomuk) Grab, seinerzeit im Jahre 1821 mit 15 Jahren, schon tatsächlich der Gründer und der Antrieb zu dieser Gründung war.

Im selben Familienbuch sind weiterhin noch als "Mitbegründer" der Musik bezeichnet:

Burghart Pantaleon, geb. 1800

Burghart Johann Evangelist, geb. 1803

Noth Johann Georg, Marker, geb. 1798

Grab Franz Anton, Mesner, geb. 1786

 

Alter mündlicher Überlieferung zu entnehmen, bestand die erste Instrumentalbesetzung überwiegend aus Klarinetten. Erst später bekamen die Blechinstrumente (Trompeten, Althörner, Bass) das Übergewicht.

 

Entwicklung

Johann Nepomuk Grab ist im Jahre 1806 als Sohn des Drechslermeisters Wilhelm Grab geboren. Er war großer Musikliebhaber und lernte die Blaskapellen schon in seiner frühen Jugend kennen an den Abteien und Klöstern. Bereits mit 15 Jahren gründete er eine Blasmusik zu Rothweil und trat zum ersten Mal als Dirigent im Jahre 1824 am Pantaleonsfest auf. Er leitete die Kapelle bis zum Jahr 1855. Von diesem Zeitpunkt an übernahm sein Sohn Wilhem Grab die Leitung derselben. Der Chorführer (nach damaligem Sprachgebrauch: Führer des Musikkorps) Franz Meier vom 5. Infanterie Regiment in Freiburg lieferte ihm ein gutes Notenmaterial, welches für die einzelnen Besetzungen gut ausgearbeitet war. Franz Meier belieferte die meisten Kapellen Oberbadens mit seinen Kompositionen und Arrangements. Wilhem Grab hat wegen der eingetretenen Schwerhörigkeit im Jahre 1898 den Dirigentenstab an Hauptlehrer Bill abgegeben. Johann Nepomuk Grab und sein Sohn Wilhem Grab leiteten somit die Kapelle von 1821 bis 1898, also insgesamt 77 Jahre.

 

Vom Gründungsjahr 1821 bis 1868 war die Musik eine eigene Kapelle. Am 12. Februar wurde in der Gemeinde Rothweil die "Freiwillige Feuerwehr" gegründet. Die Musikkapelle wurde sogleich als Feuerwehrkapelle in die Wehr eingegliedert und war von diesem Zeitpunkt an Gemeindemusik. Die Gemeinde übernahm die Instrumente als Eigentum, bezahlte die Reparaturen und das Notenmaterial. Die Kapelle erhält nun von der Gemeinde eine jährliche Entschädigung von 50 fl. (Gulden); der Dirigent ebenfalls 50 fl. Die Feuerwehr zahlt zusätzlich 5 fl. jährlich.

Die Kapelle hat für die Feuerwehr zu spielen:

  • an der Generalversammlung
  • an der Schlussprobe
  • bei der Beerdigung aktiver und passiver Mitglieder
  • bei der Beerdigung der Ehefrau eines aktiven Feuerwehrmannes

 

Die alten Musikanten gehörten vorwiegend den Geschlechtern Burghart und Grab an. Sie waren weithin bekannt als die "Häpper". So bürgten sich ein die Bezeichungen Häpper-Christi, -Benni, -Albin, -Xaver usw. Diese Namen sind den Rotweilern heute noch geläufig.

 

Oberlehrer Bill dirigierte die Musik von 1898 bis zum August 1914. Wegen des Ausbruchs des 1.Weltkrieges wurde das Musizieren unterbrochen bis zum Jahr 1921. Drei aktive Musiker sind nicht mehr aus dem Krieg heimgekehrt. Dirigent Bill leitete den Wiederaufbau der Kapelle bis zum Jahr 1923, alsdann übernahm Franz Burghart den Dirigentenstab und führte ihn bis zum Jahr 1933. Alsdann kam Musiklehrer Otto Wagener aud Breisach, der ein Bürgersohn von Oberrotweil war, an das Dirigentenpult bis zum Ausbruch des 2.Weltkrieges im August 1939. Aus diesem Krieg kamen wiederum acht Musiker nicht mehr nach Hause.

 

Zu Weihnachten 1945 wurde die Musikkapelle, die nun nicht mehr Feuerwehrmusik war, durch Franz Burghart und Josef Bitzenhofer wieder ins Leben gerufen. Von diesem Zeipunkt an war Walter Kreiner neuer Dirigent bis zum Jahr 1964, also fast 20 Jahre. Es begann nun ein Neuaufbau mit erheblichen Fortschritten.

 

Aus betrieblichen Gründen und zur Erlangung des Status des bürgerlichen Rechts wurde am 22. November 1957 der "Musikverein Oberrotweil" gegründet. Es beteiligten sich an der Gründungsversammlung 112 ortsansässige Personen. Als erster Vorstand wurde Herr Max Burghart gewählt, welcher dieses Amt bis zum 26. Februar 1961 begleitete. Als Nachfolger wählte die Generalversammlung Herrn Alfred Fleischer als neuen 1.Vorstand.

 

In das Jahr 1961 fällt auch die Gründung einer Knabenkapelle, deren Dirigent Herbert Bitzenhofer O.S. war. Ende 1962 waren bei der Knabenkapelle bereits 22 Jungmusiker. Am 17. Januar 1965 trat Walter Kreiner aus gesundheitlichen Gründen als Dirigent zurück; sein Nachfolger wurde Herbert Bitzenhofer, welcher die gut ausgebildeten Jungmusiker sogleich in die Reihen der Aktiven überhommen hat.

 

Am 10. April 1966 war das erste Osterkonzert zusammen mit dem Männergesangverein "Sängerbund" Oberrotweil.

 

Laut Protokoll der Generalversammlung vom 22. Februar 1968 erhielt der Musikverein die Bezeichung "Winzerkapelle", gleichzeitig erging der Beschluss auf Eintragung des Vereins in das Vereinsregister beim Amtsgericht.

 

Vom 20. - 24. Mai 1971 feierte die "Winzerkapelle Oberrotweil e. V." ein Jubiläumsfest zum  150-jährigen Bestehen. Dank der guten Organisation und mit Hilfe des schönen Wetters ist dieses zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten verlaufen. Im November 1971 wurde sodann die zweite Jugendkapelle gegründet. Die Ausbildung übernahm Karlheinz Sichler aus Burkheim.

 

In der Generalversammlung am 14. Februar 1972 legte Alfred Fleischer sein Amt als 1.Vorstand nieder. An seine Stelle wurde das aktive Mitglied Ludwig Kleiser als Vorsitzender gewählt.

 

Zu Beginn des Jahres 1973 erhielt die "Winzerkapelle" in Wolfgang Kramer einen neuen Dirigenten. Dieser zeichnete sich seine Bestrebungen auf, die dahin zielten, die bisherigen Erfolge zu erweitern und wertvolle Dienste für die Volksmusik zu leisten. Herr Kramer übernahm auch die Ausbildung der Jungmusiker in der Knabenkapelle.

 

Am 29. September erhielt die "Winzerkapelle" die "Pro Musika Plakette" überreicht.

 

Nachdem die Jugendkapelle Ende 1975 mangels Interesse aufgelöst werde musste, hat man zur Erlangung von Nachwuchskräften im Dezember 1976 einen erneuten Versuch unternommen, Jungmusiker auszubilden. Hierfür hat sich Bernhard Kreiner, ein aktiver Musiker aus den eigenen Reihen bereit erklärt. Nach einem Jahr Ausbildungszeit erhielten die Jungmusiker bei der Aktion "Jugend musiziert" einen zweiten Rang. Im Jahr 1979 konnten die ausgebildeten Jungmusiker wiederum in die "Winzerkapelle" integriert werden, die nunmehr 56 aktive Musikerinnen und Musiker zählt.

 

Allerdings wurde entsprechend der großen Zahl der Mitglieder der Probenraum im Untergeschoss des Turnhalleneingangs zu klein und akustisch ungeeignet. In mehreren Verhandlungen mit der Gemeinde und dem Gemeinderat konnte Vorstand Ludwig Kleiser schließlich erreichen, dass im Anhang an die Turnhalle ein Erweiterungsbau als Probenraum durch die Gemeinde genehmigt und mit 50.000 DM zur Beschaffung des Baumaterials finanziert werden konnte. Durch die tatkräftige Mithilfe aller Musiker ist der Neubau fast ausschließlich in Eigenarbeit errichtet worden, wobei auch die örtlichen Handwerker in großzügiger Weise mithalfen, so dass dieser am 3. Dezember 1981 eingeweiht werden konnte.

 

Das Jahr 1981 war in manigfacher Weise turbulent. Neue Uniformen für die Winzekapelle wurden angeschafft; der neue Probenraum wurde errichtet; beides war positiv für die Mitglieder. Negativ war jedoch, dass Herr Wolfgang Kramer aus gesundheitlichen Probelem das Dirigentenamt niederlegen musste. Also hat man noch die Suche nach einem neuen Dirigenten aufgenommen, die durch die Verpflichtung von Herrn Norbert Voll Erfolg bekam.

 

Nach kurzer Zeit mit Dirigent Voll wurde beim Wertungsspiel in Merdingen ein erster Rang erzielt. Leider konnte Herr Voll die Kapelle dabei nicht selbst dirigieren, da sein Arbeitsplatz nach Würzburg verlegt wurde. Als Ersatzdirigent fungierte Herr Obert. Herr Voll reiste nun wöchentlich von Würzburg nach Oberrotweil zur Probe. Diese Belastung wurde sehr anerkannt, konnte jedoch auf Zeit nicht immer gut gehen. Ein weiteres Engagement in Oberhausen im Rheinland belastete Herrn Voll immer mehr, so dass eine Trennung von ihm unausbleiblich war. Aus diesem Grund wurde Herr Adelbert Scherle im Mai 1984 als neuer Dirigent gewonnen.

 

Seit 1983 findet in Saig im Hochschwarzwald, dem Heimatort des langjährigen Vorstands Ludwig Kleiser, das "höchstgelegene Weinfest" gefeiert. Da hierbei ausschließlich Oberrotweiler Weine zum Ausschank kommen, wird dieses auch als "Oberrotweiler Weinfest im Hochschwarzwald" bezeichnet und die "Winzerkapelle" ist dabei jedes Jahr präsent und vertritt somit den heimischen Weinbau.

 

Im Jahre 1986 bahnte sich schon wieder ein Dirigentenwechsel an. Zum Jahresbeginn 1987 übernahm Herr Helmut Obert die musikalische Leitung der Kapelle, die er bis Anfang 1990 ausübte.

 

In großer Bedrängnis wendete man sich wieder an Herrn Wolfgang Kramer und bat ihn, die musikalische Leitung zu übernehmen. Spontan sagte er zu und knüpfte somit eine Verbindung zu seiner Dirigententätigkeit von 1973 bis 1981. Herr Kramer spornte die Musiker zu erhöhter Leistung an, die er in gewohnter Weise mittragen werde. Sein Dank galt den Vizedirigenten Erwin und Martin Wellenreiter, die ihn während es Jahres vertraten.

 

Beim Osterkonzert 1995 konnte ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gehen. Seit dem Jahr 1966 geben "Winzerkapelle" und "Sängerbund" zusammen am Ostersonntag ein Gemeinschaftskonzert, das im musikalischen Jahresablauf beider Vereine jeweils ein Höhepunkt darstellt. Auf Ostern 1995 haben sich beide Vereine vereinigt und musizierten erstmals gemeinsam. Dadurch konnte das 30.Gemeinschaftskonzert eine besondere Note erfahren.

 

Mit großen Bedauern musste die Winzerkapelle im Herbst 1995 vernehmen, dass Herr Kramer aus gesundheitlichen Gründen nun endgültig die musikalische Leitung niederlegen muss. Da im Jahr 1996 das 175. Jubiläum gefeiert wird, musste alsbald ein neuer Dirigent gewonnen werden. Die intensive Bemühung der Vorstandschaft wurde dadurch belohnt, dass mit Herrn Klaus Kerschat die entstandene Lücke rechtzeitig geschlossen werden konnte.

 

 

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